Menschen in Köln: Kekema Iyinboh

Menschen in Köln

Kekema Ulla Iyinboh (23) ist Kölnerin aus Karlsruhe, arbeitet als Redakteurin bei einer der größten Fernseh-Produktionsfirmen  in Deutschland, liebt Sport und wollte eigentlich Beruf und Hobby miteinander verknüpfen. Eigentlich.

LG: Was hat Dich nach Köln gelockt?

Kekema: Das Sportstudium. Meine beiden Eltern sind Sportlehrer bzw. ist mein Vater Sportdozent. Meine große Schwester und ich sind quasi mit Sport aufgewachsen. Turnen, Kinderballett, Karate… so ziemlich alles wurde mal getestet. Und seit 13 Jahren bin ich nun leidenschaftliche Tennisspielerin. Als ich schließlich in Karlsruhe mit der Schule fertig war, wollte ich unbedingt in das Organisations-Team der Women’s Tennis Association, kurz WTA, die weltweit das Profi- Damentennis organisiert. Und für den Weg dorthin erschien mir das Studium an der Deutschen Sporthochschule hier in Köln als richtig.

LG: Für das Organisations-Team muss man Sport studiert haben?

Kekema: Im Grunde schon.  Die meisten denken bei „Sportstudium“ an laufende, turnende und eben Sport treibende Studenten. (das dachte der Autor bis dahin auch…). Das stimmt so allerdings nicht ganz. Bei meinem Studiengang „Sportmanagement und Sportkommunikation“ lagen die theoretischen, betriebswirtschaftlichen und auch journalistischen Grundlagen im Vordergrund. Also nichts mit „durch die Gegend rennen“. Viele Kommilitonen sind mittlerweile bei Sportorganisationen wie dem DFB oder in der Sportartikelindustrie bei Nike, Adidas, Puma und Co.

LG: Wie bist Du denn dann vom Sportmanagement zum Fernsehen gekommen?

Kekema: Im zweiten Semester wurde vor einer Vorlesung dafür geworben, dass man den Hochschulsender kennenlernen könne. Also alles von Themenrecherche, über Kameraführung bis hin zur Moderation und Schnitt. Das hat mich direkt gereizt!. Als ich dann nach kurzer Zeit im Team des Hochschulsenders merkte, dass mir die Arbeit riesigen Spaß bereitet, habe ich meinen Schwerpunkt von Rechnungswesen und Finanzierung hin zum Journalismus gelegt.

2011 schenkte ich dann einer Freundin Karten für eine Sendung von TV Total mit Stefan Raab, da wir beide riesen Fans seiner Shows sind. Und da mich die gesamte Atmosphäre im Studio und auf dem Gelände von Brainpool direkt begeisterte, machte ich mich am selben Tag auf der Website schlau, welche Jobs dort angeboten werden. Tatsächlich war zu dieser Zeit ein Praktikum ausgeschrieben und da es direkt in meine vorlesungsfreie Zeit  fiel, bewarb ich mich…und wurde genommen. Und da mir nach den zweieinhalb Monaten Praktikum direkt ein Job als Redaktionsassistentin angeboten wurde, legte ich ein Urlaubssemester an der Uni ein und blieb insgesamt etwa 11 Monate dort. In dieser Zeit haben wir viele tolle Projekte produziert, u.a. „Die Bülent Ceylan Show“, „Die große Hundeshow mit Martin Rütter“ oder „Brot und Spiele“ für die ARD. Ich konnte dank meines großartigen Teams, bestehend aus nur einem Producer, einem Redaktionsleiter und mir, extrem viel lernen und erleben.

Danach war meine Berufswahl klar.

LG: Aber Dein Studium hast Du fertig gemacht?

Kekema: Klar. Das stand niemals zur Debatte. Dadurch hat sich mein Berufseinstieg auch lediglich um ein paar Monate nach hinten verschoben und jetzt bin ich seit Mai 2013 wieder im Job. Jetzt allerdings bei Endemol, wo ich nun als Redakteurin in der Abteilung Comedy & Light Entertainment arbeite.

LG: Wie ist die Arbeit in einer Produktionsfirma organisiert?

Kekema: Wir haben diverse Abteilungen, welche verschiedenste Formate, also Shows und Sendungen, produzieren. Da gibt es alles von Quiz & Entertainment über Reality & Doku oder Infotainment bis hin zu meiner Abteilung Comedy & Light Entertainment, in der Sendungen wie „Stars bei der Arbeit“, „Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt“ oder auch  „Circus HalliGalli“ produziert werden. Und die Arbeit an sich besteht darin, dass wir uns Themen, Gäste, Drehs oder Aktionen für bestehende Formate ausdenken oder auch komplett neue Shows entwickeln und  beispielsweise überlegen, welche Moderatoren, Inhalte und Themen für den Zuschauer relevant sein könnten.

All dies geschieht meistens im Auftrag eines bestimmten Senders, an den das Format dann verkauft wird. Wobei wir nicht, wie die meisten denken, an einen Sender gebunden sind, sondern für alle produzieren, egal ob privat oder öffentlich-rechtlich.

LG: Für wen arbeitet ihr meistens?

Kekema: Das ist unterschiedlich. Ich persönlich habe bisher an vielen Sendungen für RTL gearbeitet,  aber auch für die ARD. Also eine gute Mischung aus privat und öffentlich-rechtlich.

LG: In welchem Stadtteil lebst Du? Und hat dich der Tennissport denn nach Köln begleitet?

Momentan wohne ich in der Südstadt. Davor, während meines Studiums, in Müngersdorf, was sehr praktisch für die Uni war. Aber in der Südstadt ist schon um Einiges mehr los.

Auch der Tennissport hat mich nach Köln begleitet und ist sogar mit mir zusammen umgezogen. Seit Anfang diesen Jahres (2014) bin ich in einem neuen Verein, namens Lese Grün-Weiß 1927, Mitglied und arbeite gerade daran mir meinen Platz im Team zu sichern.

LG: Sind oder waren Deine Eltern auch Mannschaftssportler?

Kekema: Meine Mutter war jahrelang Schwimmerin, übte allerdings ähnlich wie ich zahlreiche Sportarten aus vom Volleyball übers Turnen hin zum Marathon-Laufen. Mein Vater war da schon eher auf einen bestimmten Mannschaftssport festgelegt: er stammt aus Nigeria und spielte dort in seiner Jugend professionell Fußball. Verletzungsbedingt konnte er sich zwar nicht dauerhaft als Profi-Kicker halten, kam aber 1972 nach Deutschland – zunächst Hamburg – und schließlich in meine Heimatstadt Karlsruhe, wo er als Sport-Dozent an der Universität tätig war.

LG: Warum über Hamburg?

Kekema: Eigentlich sehr simpel. In Lagos, der Hauptstadt von Nigeria, wo mein Vater als Kind aufwuchs, fuhren immer zahlreiche Frachtschiffe aus allen Ländern ein. Und vor allem die Hamburger Schiffe haben wohl Eindruck auf ihn gemacht, daher wählte er es als sein erstes Ziel in Deutschland aus.

LG: Wie haben sich dann Deine Eltern kennengelernt?

Kekema: Meine Mutter stammt aus Karlsruhe. Die beiden haben sich dort beim Studium kennengelernt. Meine Mutter wurde schließlich Lehrerin für Sport, Biologie und Musik und mein Vater Dozent und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. (Kekemas Mutter war gerade zu Besuch in Köln und hat uns netterweise beim Fotografieren assistiert).

LG: Und warum bist Du nicht, wie viele andere, für Deine erste Anstellung nach Berlin gegangen?

Kekema: Wenn es um das Thema Fernsehen geht, ist man in Köln perfekt aufgehoben. In keiner anderen deutschen Stadt findet man eine so hohe Dichte an erstklassigen und erfahrenen TV-Produktionsfirmen und mit dem WDR als größter Sendeanstalt der ARD sowie RTL hat man hier auch die großen Sender vertreten. Allerdings schließe ich Berlin absolut nicht aus. Auch dort werden tolle Formate produziert. Also vielleicht verschlägt es mich auch irgendwann dorthin. Aber bis dahin bin ich in Köln – und vor allem der Südstadt – zuhause und fühle mich hier mehr als wohl.

Mehr Informationen:

Fotografien und Interview: Lars Gehrlein, Köln, 2014

Die Aufnahmen sind entstanden am RheinEnergie Stadion.


Lars Gehrlein

Lars Gehrlein ist ein Reise- und Porträtfotograf aus Köln. Er ist immer auf der Suche nach Geschichten über (noch) unbekannte Menschen und Orte, um sie zu erzählen oder zu fotografieren.

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